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Einführung ins Awarenesskonzept

Die „Chin Chin“ versteht sich als Veranstaltungsformat, das durch das Zusammenspiel vieler

Menschen entsteht: Künstler:innen, DJs, Veranstaltungscrew, Tür- und Kassenpersonal, Awareness-

Teams sowie weiteren Mitwirkenden. Da die Konstellation je nach Termin wechselt, verändern sich

Rollen und Verantwortlichkeiten immer wieder. Beständig bleibt jedoch der Anspruch, einen

experimentellen, künstlerischen und sozialen Erfahrungsraum zu gestalten, der ästhetische Vielfalt

ermöglicht und unterschiedliche Lebensrealitäten miteinander verbindet.

Im organisatorischen wie im künstlerischen Bereich wird Wert auf transparente Abläufe und flache

Verantwortungsebenen gelegt. Entscheidungen sollen im Dialog erfolgen und nicht aus

hierarchischen Strukturen heraus. Unterschiedliche soziale Hintergründe und Identitäten werden als

Bereicherung verstanden. Diskriminierung wird aktiv entgegengewirkt – darunter Rassismus,

Sexismus, Queerfeindlichkeit, Transfeindlichkeit, Ableismus, Klassismus und weitere Formen

sozialer Abwertung.

Die „Chin Chin“ verfolgt das Ziel, Räume zu schaffen, in denen Besucher:innen sich sicher,

respektiert und handlungsfähig fühlen. Sicherheit wird dabei als gemeinschaftliche Aufgabe

verstanden und nicht ausschließlich auf das Awareness-Team ausgelagert. Fehler werden nicht

tabuisiert, sondern als Lernchancen begriffen.

Konsens, Definitionsmacht & Parteilichkeit

Ein zentrales Prinzip der „Chin Chin“ ist die aktive Zustimmung. Körperliche und verbale

Interaktionen setzen ein klares „Ja“ voraus. Ein „Nein“ ist in jedem Stadium gültig und unbegründet

zu akzeptieren. Zustimmung kann jederzeit zurückgezogen werden. Überreden, Druck,

Manipulation oder sexualisierte Kommentare sind nicht tolerierbar.

Erfahrungen von Grenzverletzungen und Diskriminierung werden aus Sicht der betroffenen Person

bewertet. Das Awareness-Team stellt diese Wahrnehmung nicht infrage. Im Konfliktfall entscheiden

Betroffene selbst, ob und wie es zu Konfrontationen kommt. Das Awareness-Team agiert parteilich

und orientiert sich an den Bedürfnissen, Wünschen und Grenzen der Betroffenen.

Kontaktwege & Unterstützung

Vor und nach Veranstaltungen ist das Awareness-Team über Mail, Website oder Social Media

erreichbar. Während der Veranstaltung gibt es mehrere Zugänge:

​

• Awareness-Team im Raum und an den Play-Areas

• Awareness-Point als feste Anlaufstelle

 

Kontakt kann direkt, über Personal oder anonymisiert erfolgen. Bei Sprachbarrieren wird versucht,

Kommunikationswege flexibel zu gestalten.

Nach der Veranstaltung werden Rückmeldungen in Reflexionsgesprächen zwischen Awareness und

Veranstalter:innen besprochen, um strukturelle Verbesserungen abzuleiten. Auf Wunsch kann eine

nachträgliche Begleitung oder Kontaktaufnahme erfolgen.

Awareness-Point

Der Awareness-Point dient als niedrigschwellige Anlaufstelle für Informationsbedarf, Gespräche,

Unterstützung in Krisen sowie zur Meldung von Übergriffen oder diskriminierenden Situationen. Er

bietet einen geschützten Rahmen mit Wahrung der Privatsphäre und ggf. Sicht- bzw. Akustikschutz.

Vor Ort sind Wasser, Softdrinks, Elektrolyte/Zucker, Hygieneartikel und Informationsmaterial zu

Gesundheits- und Beratungsstellen verfügbar. Gespräche werden vertraulich behandelt, Daten nicht

weitergegeben. Bei Bedarf kann das Awareness-Team Begleitung nach draußen oder zu

Freund:innen anbieten. Es übernimmt keine therapeutische oder polizeiliche Rolle, sondern leistet

deeskalierende und stabilisierende Unterstützung.

Briefing, Ablauf & Nachbereitung

Vor jeder Veranstaltung findet ein Briefing zwischen Veranstalter:innen, Awareness und ggf.

Security statt. Themen sind u. a.:

​

• Aufgabenverteilung

• Kommunikationswege

• Zuständigkeiten

• Risiko- und Raumanalyse

• Barrierefreiheit & Notausgänge

• Dresscode

• Umgang mit Problemfällen

• Betreuung sensibler Bereiche

​

Das Zusammenspiel von Awareness und Security wird klar geregelt: Security ist für körperliche

Sicherheit zuständig, Awareness für psychosoziale. Nach der Veranstaltung folgen Feedback-

Runden zur Auswertung von Situationen, Störungen und strukturellen Erkenntnissen. Wissen wird

im Team weitergegeben, ergänzt durch regelmäßige Fortbildungen.

Performances

Kunstbeiträge verbinden unterschiedliche Perspektiven und können irritieren, berühren oder

Diskussionen anstoßen. Um Performer:innen zu schützen, werden vorab Bedürfnisse, Grenzen und

Schutzmechanismen geklärt. Backstage-Bereiche gelten als sichere Räume und sind nicht frei

zugänglich.

Körperlichkeit, Freizügigkeit & Kink

Die „Chin Chin“ versteht sich als sexpositives Event, bei dem Körperlichkeit, Freizügigkeit und

Kink möglich sind – jedoch ohne Verpflichtung. Menschen mit verschiedenen Lebensrealitäten

begegnen sich in einem Raum, daher gilt hier besondere Sensibilität.

Play-Bereiche können durch Awareness betreut werden. Regeln werden vor Eintritt erklärt und

Aufnahmegeräte sind untersagt. Rollendynamiken (z. B. Dom/Sub) gelten ausschließlich innerhalb

der Szene und nicht im allgemeinen Clubraum. Material für Safer Sex kann bereitgestellt werden.

Kink-Shaming und Freizügigkeits-Shaming sind gleichermaßen unzulässig. Freizügigkeit ist kein

Maß für Zugehörigkeit.

Türpolitik

Am Eingang wird situativ über Konzept, Dresscode und Konsensprinzip informiert. Personen, die

abwertend über queere Lebensrealitäten, Freizügigkeit oder Konsens sprechen, können vom Einlass

ausgeschlossen werden. Wir versuchen die Ablehnungen respektvoll und ohne Erniedrigung

durchzuführen.

Dresscode-Elemente können vor Ort erklärt oder ergänzt werden; medizinische oder sensorische

Gründe können Ausnahmen notwendig machen. Ziel des V

Dresscode

Der Dresscode dient der kreativen, spielerischen Atmosphäre. Er ist nicht binär, nicht

heteronormativ und ermutigt zu Gender-Play und künstlerischer Auseinandersetzung. Upcycling,

DIY und Low-Budget-Lösungen sind willkommen. Körper, Alter oder finanzielle Mittel dürfen

keinesfalls bewertet werden. Outfits sollen sicher, komfortabel und nicht verletzend sein. Trotzdem

sind wir eine Kinkparty und erwarten, dass dies bei den Outfits erkennbar ist. Dresscode

bedeutet Freude, nicht Druck.

Schlussverständnis

Awareness wird bei der „Chin Chin“ als Haltung verstanden: als gemeinsamer Versuch, Räume so

zu gestalten, dass Menschen sich sicher, respektiert und handlungsfähig fühlen – künstlerisch, sozial

und körperlich. Awareness ist immer dynamisch, lernend und gemeinschaftlich.

Wo Körper, Kunst und Konsens zusammenfinden - chin Chin

Euer Awareness Team

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